Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: »Von mir willst du den Weg erfahren?« »Ja«, sagte ich, »da ich ihn selbst nicht finden kann.« »Gibs auf, gibs auf«, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.
Die Schwierigkeit, selbst den Weg zu finden, und die Unmöglichkeit, ihn sich einfach von einem anderen weisen zu lassen;
Der Ich-Erzähler ist sich anfangs sicher, an sein Ziel zu gelangen; auch nimmt er die Welt um sich herum als einen geradezu idyllischen Ort wahr. Erschüttert wird seine Selbstsicherheit erst, als er seine – private – Uhr mit einer – öffentlichen – Turmuhr vergleicht und feststellt, dass seine Zeit nicht mit der der anderen übereinstimmt.
Es ist ein psychischer Zustand: nicht von Angst, von Schrecken ist die Rede, der ihn „im Weg unsicher werden“ lässt und ihn – vergeblich – dazu treibt, den Rat eines anderen zu suchen.
Wer nicht darauf verzichtet, bei seiner Suche nach dem Lebensweg sofort die Hilfe Fremder in Anspruch zu nehmen, muss die Hoffnung aufgeben, diesen Weg jemals zu entdecken.
(Franz Kafka. Romane u. Erzählungen. Reclam, M. Müller (Hg.))