Archiv für 2011|Jahresarchiv

Museum der Verzweiflung

In Diskurs, Kunst, Musik am 26. August 2011 um 23:15

Aber was ist letzten Endes diese Kultur? Zweifelsohne nur ein Wandschirm, der unsere Angst vor Elend, Ekel, Trauer, Schrecken und vor allem vor dem Tod vor uns selber verborgen hält. Indem wir unser Elend in Bücher gefasst haben, hofften wir, es von uns fernhalten zu können. Die heutige Kunst ist zum großen Teil nur ein Abstellraum, ein Museum unserer Verzweiflung.

Ionesco 1972 zur Eröffnung der Salzburger Festspiele.

for the birds

In Kunst, Leben, Musik, Zukunft am 19. August 2011 um 23:52

«How immediately are you going to say Yes to no matter what unpredictability, even when what happens seems to have no relation to what one thought was one‘s commitment?»

In Leben am 19. August 2011 um 23:49

Seele, Liebe, Musik finden im Geiste statt, können aber den ganzen Körper ausfüllen.

Schilf

In Leben, Lyrik am 25. Juli 2011 um 14:31

Schilf hat keine Zeit

Gewächs

Alle Zeiten sind jetzt

Man muss sich beschäftigen

mit allem was war –

nichts anderes als

das

was wir sind:

Schilf.

Mühsam

In Öffentlichkeit, Leben, Literatur, Politik am 24. Juli 2011 um 12:13

Erich Mühsam in sein Tagebuch am 22.08.1910:

Johannes gab mir 3 Bände der Tagebücher Varnhagens von Ense mit, die ich gierig lese. Damals lohnte es noch Tagebücher zu schreiben! Trotz der Armseligkeit der vormärzlichen Politiker – welche bewegte Zeit! Welche Beziehung zwischen Geistigkeit und Öffentlichkeit! Welche Teilnahme der großen Geister (Varnhagen, Humboldt, Tieck, Bettina v. Arnim usw.) an den Geschehnissen des Tages! – Und heute? Unsre Zeit ist bei Gott nicht minder armselig, unsre Regierungen nicht minder jämmerlich, unsre Politik nicht minder chikanös, knechtschaffen und vormärzlich. Nur eins unterscheidet unsre Tage von Varnhagens: heut ist auch das Volk interesselos, und die Geistigkeit nimmt schon garnicht teil an allem was vorgeht! – Ich werde in dies Tagebuch nicht viel Zeitprophetisches zu vermerken haben.

Klavierdeckel

In Alltag, Diskurs, Leben, Literatur am 24. Juli 2011 um 12:11

Ich bin von der außergewöhnlichen Erfindungsgabe der Menschen begeistert, die sich manchmal gerade noch rechtzeitig für die Menschheit einstet. Wenn Sie sich auf einem sinkenden Schiff befinden, das alle Rettungsboote schon verlassen haben, dann ist ein vorbeitreibender Klavierdeckel, mit dem Sie sich über Wasser halten können, ein willkommener Lebensretter. Das heißt aber nicht, dass die Formgebung von Klavierdeckeln das beste Design für Rettungsringe wäre. Ich denke, dass wir an einer ganzen Reihe von Klavierdeckeln festhalten, wenn wir so viele zufällige Einrichtungen von gestern übernehmen und meinen, sie seien die einzigen Mittel, um gegebene Probleme zu lösen. […] Weil unsere spontane Initiative von frühester Kindheit an frustriert worden ist […], bringen wir es im allgemeinen nicht fertig, unserem Potential entsprechend zu denken. Es fällt uns leichter, in dieser Gesellschaft an unseren kurzsichtigen Vorstellungen und engen Spezialisierungen festzuhalten und es den anderen – in erster Linie den Politikern – zu überlassen, einen Weg aus den gemeinschaftlichen Dilemmas zu finden.

Richard Buckminster Fuller: Komprehensive Neigungen. In: Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde und andere Schriften. S. 10 f.

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