Zu Kafkas Gibs auf!

Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: »Von mir willst du den Weg erfahren?« »Ja«, sagte ich, »da ich ihn selbst nicht finden kann.« »Gibs auf, gibs auf«, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

Die Schwierigkeit, selbst den Weg zu finden, und die Unmöglichkeit, ihn sich einfach von einem anderen weisen zu lassen;

Er ist sich anfangs sicher, an sein Ziel zu gelangen; auch nimmt er die Welt um sich herum als einen geradezu idyllischen Ort wahr. Erschüttert wird seine Selbstsicherheit erst, als er seine private Uhr mit einer öffentlichen Turmuhr vergleicht und feststellt, dass seine Zeit nicht mit der der anderen übereinstimmt.

Es ist ein psychischer Zustand: nicht von Angst oder Schrecken ist die Rede, der ihn „im Weg unsicher werden“ lässt und ihn – vergeblich – dazu treibt, den Rat eines anderen zu suchen.   Wer nicht darauf verzichtet, bei seiner Suche nach dem Lebensweg sofort die Hilfe Fremder in Anspruch zu nehmen, muss die Hoffnung aufgeben, diesen Weg jemals zu entdecken.


Hannah Arendt

Vernichtung von Welt innerhalb der Welt

Wie erinnern wir und wie schreiben wir Geschichte unter dieser Bedingung? Arendt versucht einen Weg des Denkens, indem sie zu Augustins Entdeckung des Anfangens zurückkehrt. Sie verknüpft diesen Gedanken mit der modernen Erfahrung des Traditionsbruchs, der paradoxen Gewissheit des Scheiterns, die sie mit Benjamin und Kafka teilt.
Als handelnde Individuen haben wir keine andere Wahl, als einen neuen Anfang zu versuchen. Wir tun dies außerhalb eines sicheren Rahmens. Für die Gangart dieses Tuns findet Arendt in einem Satz Benjamins über Kafka einen Zeugen: „War er des endlichen Misslingens erst einmal sicher, so gelang ihm unterwegs alles wie ein Traum.“

Geschichtliches Verstehen und Scheitern des Verstehens, Aussöhnung mit der Wirklichkeit und Unmöglichkeit der Aussöhnung. Wenn Geschichtsschreibung sich in diesen Paradoxien bewegen muss, dann bedarf es eines Vermögens, das fähig ist, nicht nur ohne Geländer zu denken, sondern das seine Möglichkeiten erst in außergewöhnlichen und undefinierbaren Regionen zu entfalten vermag.

Aus: Nordmann, Ingeborg: Hannah Arendt. Reihe Campus Einführungen, Bd. 1081. Frankfurt am Main/New York, 1994. S. 58-60.

Zukunftsvorstellungen

Wann hat diese Bewusstseinsänderung stattgefunden? Dass die Zukunft heute in den Dingen gesucht wird? An die Stelle des großen gesellschaftlichen Projektes «Zukunft» ist etwa das «Handy der Zukunft» getreten – Kaufkraft und Lebensumstände innerhalb der Dingwelt sind die neuen Bezugspunkte.
Dazu passt die Vorstellung von Politik als Kaufhaus (Menasse): «Wer kein Auto kaufen will, muss sich nicht für Autos interessieren».
Gesellschaftliche (Mit)Verantwortung ist als Wert wohl nicht mehr gefragt.

Tadeusz Dąbrowski

Pomiędzy odpływem myśli a przypływem
snu mam minutę wieczności na zbieranie
metafor.

Lecz zanim zdążę schylić się po pierwszą
z nich, zalewa mnie fala i odmęt pochłania. Jakiś

czas później budzę się, bo słońce
wsadza mi palce do oczu. Niewiele pamiętam.

W prawej kieszeni mam kamyk, w lewej meduzę,
w ustach – piach.

***

Zwischen der Ebbe der Gedanken und der Flut
des Schlafs habe ich eine Minute Ewigkeit, um Metaphern
zu sammeln.

Doch bevor ich mich nach der ersten bücken kann,
erfasst mich eine Welle und ein Strudel verschlingt mich. Etwas

später wache ich auf, weil mir die Sonne
ihre Finger in die Augen sticht. Ich erinnere mich kaum.

In der rechten Hosentasche hab ich einen Kiesel, in der linken eine Qualle,
im Mund – Sand.

Lack of Motivation

Früher war ich motiviert, weil ich bei allem Übel der Gegenwart Hoffnungen, große Hoffnungen, in die Zukunft gesetzt habe. Jetzt ist die Zukunft da und ich muss sehen, dass die Hoffnungen unbegründet waren. So erklärt sich die Antriebslosigkeit. Hoffnung ist nicht mehr meine Stärke.